Auf Wiesen, die längere Zeit nicht genutzt werden, entsteht ein dichter Grasfilz. Er deckt den Boden ab und verhindert das Wachsen der kleinen, Licht liebenden Pflanzen. Während des Winters verrottet der Grasfilz zudem langsam, düngt den Pflanzenbestand und fördert konkurrenzstarke Pflanzen, zum Beispiel die Fiederzwenke und das Pfeifengras.

Die wertvollen Magerwiesen an der Rigi müssen daher mindestens alle paar Jahre gemäht oder sorgfältig beweidet werden. Sonst nimmt die Vielfalt und der Blütenreichtum der Wiesenbestände ab. Und damit geht auch das Insekten- und Tierleben zurück, das auf die speziellen Pflanzenbestände angewiesen ist.

Manche Wiesen an der Rigi sind steil und nicht mit Wegen erschlossen. Die regelmässige Nutzung dieser Wiesen braucht genügend Arbeitskräfte. Bis zu sieben Mal mehr Arbeitsstunden braucht es zum Mähen, Zetten, Schwaden und Einbringen des Heus einer steilen Rigiwiese, im Vergleich zu einer flachen Wiese, die sich maschinell bearbeiten lässt.

Das Projekt NatuRigi sucht für solche Wiesen in den nächsten drei bis vier Jahren – gemeinsam mit den Bewirtschaftern – nach Lösungen, die den Betrieben und den Magerwiesen eine Zukunft geben.



Die Art der Nutzung beeinflusst den Bestand


In den Gemeinden Greppen, Vitznau und Weggis gibt es noch 74 Bauernbetriebe, 12 Sömmerungsbetriebe und 18 Hobby-Tierhalter. Sie bewirtschaften 939 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche und 182 Hektaren Sömmerungsfläche. Die meisten Betriebe sind klein und suchen ihr Einkommen in der Produktion von Milch und Fleisch. Viele gehen einem Nebenerwerb ausserhalb des Betriebes nach oder haben zusätzliche Betriebszweige aufgebaut. Etwa die Hälfte der Betriebe engagiert sich im Bereich Natur und hat mit dem Kanton Luzern Naturschutzverträge abgeschlossen. Die Voraussetzungen für ökologische Leistungen sind für jeden Betrieb anders.

Kennzahlen zur Landwirtschaft an der Rigi Südseite

Kennzahlen und BeschreibungMögliche Folgen (F), Chancen (C), Risiken (R) fürs Projekt

Fläche in Hektaren
1120 ha total
939 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche, LN
182 ha Sömmerungsweiden

15% der LN sind ökologisch sehr wertvolle Flächen. In den letzten Jahren haben die Waldfläche und die Siedlungsfläche zugenommen, die landwirtschaftliche Nutzfläche hat abgenommen

R  Die Blumenwiesen sind von Seiten Wald und Siedlung bedroht; vom Wald her schleichend.
F  Aspekte der Raumplanung sind einzubeziehen.
 

Anzahl Betriebe
74 Landwirtschaftsbetriebe

35 Landwirtschaftsbetriebe haben mit dem Kanton Luzern einen Naturschutz-Vertrag (NHG-Vertrag) abgeschlossen. Die Bewirtschaftung von Magerwiesen wird ihnen vergütet.

12 Alpbetriebe

9 Alpbetriebe  haben einen NHG-Vertrag abgeschlossen

C  Über NHG-Verträge sind Kontakte zu vielen Bewirtschaftern vorhanden.
Die Sensibilisierung der Bewirtschafter für Naturschutz-Aufgaben ist hoch.
 

Grösse der Landwirtschaftsbetriebe
34 Betriebe unter 10 ha
28 Betriebe 10 - 20 ha
12 Betriebe über  20 ha

Die durchschnittliche Fläche der Landwirtschaftsbetriebe ist etwa so gross wie in ähnlichen Voralpengebieten der Deutschschweiz

Grösse der Alpbetriebe
4 Betriebe unter 10 ha
5 Betriebe 10 - 20 ha
3 Betriebe über 20 ha
Die Strukturen der Alpbetriebe verändern sich gegenwärtig stark


F  Strukturwandel ist zu erwarten: grössere Betriebe und Tierbestände, Betriebsaufgaben, mehr Nebenerwerbsbetriebe.
R  LandRun“ für Betriebsvergrösserungen.
R Arbeitskräfte für Hotspot-Bewirtschaftung fehlen.


 
Produktion
31 Betriebe Verkehrsmilch
13 Betriebe Kühe ohne Verkehrsmilch / Kälber- und Munimast,
9  Betriebe Mutterkühe
3 Betriebe Milch und Schweine
10 Betriebe verschiedene Tiere (Kühe, Schafe, Ziegen, Poulets, Schweine)
Verkauf von Milch- und Fleischprodukten ist wichtig.
F  Gesucht sind Nebenwerbsjobs, die sich bei den fixen Arbeitszeiten in der Landwirtschaft eignen, z.B. in Milchviehbetrieben.
 

Ökologische Ausgleichsflächen
Total 116 Hektaren = 12,4 % der Landwirtschaftlichen Nutzfläche.
74% davon sind extensiv genutzte Wiesen, 9% Streueflächen, 13% extensiv genutzte Weiden, 0.6 % Hecken.
Dazu kommen 90 Hochstammbäume

16 Betriebe haben über 20% ökologische Ausgleichsflächen (ÖAF)
27 Betriebe haben 10-20% ÖAF
26 Betriebe haben 7-10% ÖAF
5 Betriebe haben unter 7% ÖAF

F  Es hat entweder wenig ökologische Strukturen an der Rigi, oder die Bauern sind bezüglich ökologischer Strukturen wenig sensibilisiert.
Die ökologischen Ausgleichsflächen auf den Betrieben sind sehr verschieden.
C Bezüglich ökologischem Ausgleich gibt es auf gewissen Betrieben hohe Leistungen und auf anderen Betrieben ein hohes Potential.

Arbeitszeit
Auf 67 Betrieben arbeitet mindestens eine Person zu mehr als 75 % auf dem Betrieb.
4 Betriebe liegen unter der Norm von 0.25 SAK und erhalten keine Direktzahlungen.

Für die Bemessung der Direktzahlungen bewertet der Staat die Betriebe nach Standardarbeitskräften (SAK). Im Bergebiet kann diese Normbewertung deutlich unter dem effektiven Arbeitsaufwand liegen.

F Arbeitserleichterungen sind gesucht: Berggängige Maschinen, Optimierung der Schnitttermine, überbetriebliche Zusammenarbeit.
C  Nebenerwerbsjobs sind gesucht: Nebst Produktveredelung, Vermarktung, Holzerarbeiten auch Hotspot-Bewirtschaftung als Betriebszweig.
 

Strukturveränderungen zu erwarten

Damit ein Betrieb als ein Landwirtschaftliches Gewerbe gilt, muss er in der Hügel- und Bergzone mindestens die Norm von 0.8 Standardarbeitskräften (SAK) erfüllen.  An der Rigi Südseite stehen 20 der 74 Betriebe unter dieser Grenze. Sie können beim Generationenwechsel nicht mehr als landwirtschaftliches Gewerbe übergeben werden. Daher ist an der Rigi Südseite in den kommenden Jahren mit einem relativ starken Strukturwandel zu rechnen; das heisst, die Zahl der Betriebe wird voraussichtlich abnehmen.

Die Blumenwiesen an der Rigi Südseite müssen bewirtschaftet werden, damit sie bestehen bleiben. Doch viele dieser Wiesen sind steil und schwer zugänglich. Die Arbeit ist entsprechend aufwändig und streng, die wirtschaftlichen Erträge sind tief. Eines ist klar: Die Naturwerte an der Rigi lassen sich nur erhalten, wenn die Zukunft der Bauernbetriebe wirtschaftlich gesichert ist. 



Handarbeit am Steilhang oberhalb der Alp Gletti